

Der Morbus Crohn stellt neben der Colitis Ulcerosa eine der beiden Manifestationsformen der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) dar.
Der Häufigkeitsgipfel liegt bei beiden Erkrankungen zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr.
Der Auslöser ist unbekannt, man vermutet in beiden Fällen ein autoimmunologisches Geschehen, wobei die Störung der Immunregulation vermutlich durch genetische Prozesse hervorgerufen wird. Auslöser der Erkrankungen könnte eine bisher unbekannte, aber auch beliebige Infektion sein. Der Infekt würde dann einen Autoimmunprozess anstoßen. Wir kennen dieses Phänomen ja bereits von zahlreichen anderen Erkrankungen in deren Verlauf auf eine Infektion hin der Körper Entzündungsstoffe absondert und gewissermaßen missverständlicher weise gegen körpereigenes Gewebe vorgeht.
Enterocolitis regionalis oder Morbus Crohn
Morbus Crohn: Definition
Es handelt sich um eine diskontinuierlich segmental auftretende Entzündung aller Bereiche des Magen-Darmtraktes mit Befall aller Wandschichten. Die Entzündung kann sich also vom Rachen an bis zum After erstrecken. Dabei sind beim Morbus Crohn meist nur einzelne Abschnitte des Verdauungstraktes betroffen. Häufig sind die Bereiche des unteren Dünndarms (terminales Ileum) bzw. der obere Abschnitt des Dickdarms (proximales Colon) betroffen.
Morbus Crohn: Ursachen
Bei 50 % der Crohn Patienten lässt sich eine Genmutation auf Chromosom 16 identifizieren. Wenn diese Merkmale von beiden Elternteilen auf den Betroffenen vererbt wurden (homozygoter Merkmalsträger) ist das Risiko zu erkranken 100 mal höher als in der Normalbevölkerung. Zum Vergleich ist das Risiko einer Erkrankung bei heterozygoten Merkmalsträgern (also hat nur ein Elternteil seine belasteten Gene eingebracht) nur etwa um den Faktor 2,5 erhöht. Vor der inzwischen überwiegend anerkannten Auffassung, dass die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa mit autoimmunologischen Prozessen zu tun haben und nicht etwa wie lange Zeit angenommen wurde, eine psychosomatische Erkrankung darstellen, gewinnt die Molekulargenetik auch auf diesem Gebiet immer größere Bedeutung. Gemeint ist damit, dass die Hoffnung besteht, über diesen Zweig der medizinischen Forschung direkt regulierend in den Stoffwechsel der Zellen eingreifen zu können.
Morbus Crohn: Symptomatik:
Typisch sind beim Morbus Crohn Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfälle, meist ohne Blutabgänge. Häufig konzentrieren sich die kolikartigen Schmerzen im rechten Unterbauch und täuschen das Bild einer akuten Blinddarmentzündung (Appendicitis) vor.
Morbus Crohn: Komplikationen
sind Veränderungen der Haut wie Zinkmangeldermatosen, aber auch Aphten oder andere Schleimhautulcerationen. Augen und große Gelenke sind ebenfalls häufig entzündet.
Fisteln (40%) und anorektale Abszesse (25%) gehören ebenfalls zu den häufigeren Komplikationen eines Morbus Crohn.
So stellen Analfisteln oft das erste Symptom eines Morbus Crohn dar und sollten immer Grund genug sein, den Darm endoskopisch auf eine Morbus Crohn - Erkrankung hin zu untersuchen.
Die chronisch rezidivierende Erkrankung führt zu Resorptionsstörungen verschiedener Nahrungsbestandteile. Dies führt bereits häufig zu einem Gewichtsverlust und verschiedenen Mangelzuständen. Es kommt bei der Morbus Crohn - Erkrankung zu einem Mangel an Vitamin B12, welcher ebenfalls wie der sich entwickelnde Eisenmangel zu Störungen der Blutbildung führt. Es entwickelt sich eine megaloblastäre Anämie.
Die Entwicklung von narbigen Darmstenosen (Verengungen) kann beim Crohn ihrerseits einen Darmverschluss oder gar eine Perforation des betroffenen Darmabschnittes zur Folge haben.
Morbus Crohn: Verlauf
Der Morbus Crohn verläuft schubweise. Wobei sich der individuelle Verlauf niemals exakt vorhersagen lässt sondern man sich nur auf statistische Größenordnungen stützen kann.
Danach beträgt die Rezidivhäufigkeit nach einem Jahr 30% und nach 2 Jahren 40%. Von einem chronisch aktivem Verlauf spricht man, wenn die Symptome der Crohn Erkrankung länger als 6 Monate anhalten.
Morbus Crohn: Diagnostik
Liegt erst einmal ein Verdacht vor, ist eine gründliche Untersuchung aller Darmwandabschnitte erforderlich. Den oberen und den unteren Gastrointestinaltrakt kann man endoskopisch einsehen. Hier ist neben dem makroskopischen Bild (diskontinuierlicher Befall durch aphtenartige Entzündungen) die Sicherung beweisender feingeweblicher Veränderungen (Histologie) von entscheidender Bedeutung.
Weitere bildgebende Verfahren sind das Hydro-MRT. Dabei wird eine zuckerhaltige Lösung getrunken, welche sich an den Darmwänden niederschlägt und auch zum Nachweis einer verdickten Darmwand des Dünndarms bzw. einer Fistelbildung gut geeignet ist.
Beim Röntgen des Dünndarms nach Sellink können unter Verwendung wasserlöslicher Kontrastmittel (ungefährlich, falls eine Perforation vorliegt) das pflasterseinartige Relief des Dünndarms oder auch fadenförmige Stenosen gut dargestellt werden.
Schließlich liefern die Laboruntersuchungen beim Morbus Crohn ebenfalls wertvolle Erkenntnisse über den aktuellen Entzündungsgrad. Blutbild, CRP oder BSG seien hier genannt.
Morbus Crohn: Therapie
Zunächst versucht man bei der Behandlung des Morbus Crohn alle konservativen Möglichkeiten auszuschöpfen. Viele Patienten entwickeln eine Lactoseintoleranz (Lactase wird zur Verdauung von Milchzucker benötigt) Milchprodukte sind also in diesen Fällen zu reduzieren bzw. durch die Einnahme von Lactasetabletten wieder bekömmlich zu machen. Manche Speisen werden individuell nicht vertragen (Eliminationsdiät), Mangelzustände Vitamin B12, Eisen und fettlösliche Vitamine (ADEK) müssen ggf. ersetzt werden. Bei chologenen Diarrhöen (Durchfällen) kann durch die Gabe von Cholestyramin eine Bindung der Gallensäuren erzielt werden. Zur Osteoporoseprophylaxe kann Vitamin D und Kalzium gegeben werden.
Die medikamentösen Möglichkeiten umfassen Mesalazin (5-Aminosalizylsäure), Kortikosteroide Immunsuppressiva (Azathioprin) oder TNF-Antikörper (Tumornekrosefaktor-Antikörper spielen bei autoimmunologischen Prozessen eine entscheidende Rolle). Wann welches Medikament in welcher Dosierung sinnvoll ist, würde den Rahmen hier sprengen und bleibt einer individuellen Einschätzung vorbehalten.
Schließlich handelt es sich beim Morbus Crohn um eine chronische Erkrankung, für die es keine Heilung gibt. Aspekte der Krankheitsbewältigung (damit leben lernen) können die frühzeitige Inanspruchnahme psychologischer Hilfe oder auch den Eintritt in eine Selbsthilfegruppe erforderlich machen.
Endoskopische Interventionen oder chirurgische Eingriffe können notwendig werden, wenn Komplikationen dies erfordern (Perforation, Penetration, Peritonitis, Fistelabtragungen). Prinzipiell wird versucht darmerhaltend zu operieren. Einmal entfernter Darm kann nicht ersetzt werden, gibt aber beim Morbus Crohn auch keine Sicherheit, dass nicht zu einem späteren Zeitpunkt im Nachbarbereich erneute Entzündungen auftreten können.
Morbus Crohn: Prognose
Leider zeigt der Morbus Crohn eine hohe Neigung zu Rezidiven. So ist es in den ersten 15 Jahren in ca. 70% der Fälle notwendig durch eine Operation einzugreifen. Trotzdem haben diese Patienten bei optimaler Therapie eine normale Lebenserwartung.
Der Morbus Crohn stellt also eine Erkrankung dar, welche bis heute nicht heilbar ist und häufig mit erheblichen Beschwerden einhergeht. Glücklicherweise gibt es zahlreiche wirksame Medikamente. Typisch für diese Erkrankung ist aber auch, dass die betroffenen Menschen teilweise lange Lebensphasen zeigen, in denen kaum Symptome bestehen und sie ein relativ normales Leben führen können. Es wird immer wieder darauf ankommen auch in einem Schub nicht die Hoffnung sinken zu lassen, sondern darauf zu vertrauen dass er vorbeigehen wird. Stationäre Rehamaßnahmen können bei Morbus Crohn hilfreich sein, sich nach dem Abklingen des akuten Schubs rasch zu erholen um wieder in den Lebensalltag zurückzufinden.
Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit!
Ihr Team von der Wicker-Klinik, Bad Wildungen
Sekretariat Innere Medizin/Orthopädie
Frau Braun
Email braun@wicker-klinik.de
Telefon 0 5621 792-214
Fax 05621 792-692
zur Abteilung Innere
Medizin/Orthopädie

Chefarzt Dr. Y. Kabel
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Aktualisiert am 01.12.2010