Ein ausgewogenes Programm auf die Therapiebedürfnisse des Patienten abgestimmt, sind für die Gesundung maßgeblich. Neben Physiotherapie, Ergotherapie und Physikalischer Therapie...
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Psychotherapie und Sport

Zwei starke Partner auf dem gemeinsamen Weg zur seelischen Gesundheit

Ein Beitrag von Dr. Gabriele Fröhlich-Gildhoff, Chefärztin der Abteilung Psychosomatik/Psychotherapie der Wicker-Klinik, Bad Wildungen

Seit Sommer 2006 haben fast alle Patientinnen und Patienten, die zur stationären Rehabilitation in die Abteilung Psychosomatik/Psychotherapie der Wicker-Klinik Bad Wildungen kommen, außer den üblichen Therapieangeboten einer psychosomatischen Fachabteilung, mindestens drei Sportangebote pro Woche in ihrem Therapieplan.  Dabei spielt es keine Rolle, ob sie wegen den Folgen von sexueller Gewalterfahrung, wegen Depressionen oder Ängsten, wegen Erschöpfung oder Burnout, wegen Problemen am Arbeitsplatz, chronischen Schmerzen oder anderen psychosomatischen Erkrankungen zur stationären Rehabilitation kommen.

Im Vorfeld war eine Ausweitung des Sportangebots durch die Abteilungsleitung beschlossen und eine Dipl. Sportlehrerin eingestellt worden. Eines der Ziele dieses besonderen Behandlungsangebotes ist es, dass die Patientinnen und Patienten mit psychischen Erkrankungen in der Wicker-Klinik die Erfahrung machen können, dass regelmäßiger Sport sich positiv auf das seelische und körperliche Wohlbefinden auswirkt. Mit einem abwechslungsreichen Sportangebot soll die Freude an Bewegung wieder geweckt werden, damit die Patientinnen und Patienten dies auch nach der stationären Rehabilitation zu Hause weiter fortführen.

Was kann regelmäßiger Sport bewirken?

Zahlreiche empirische Studien belegen, dass insbesondere Ausdauersportarten wie Laufen, Nordic Walking, Radfahren, Schwimmen, Rudern, Skaten etc. das körperliche und seelische Wohlbefinden steigern (Bartmann,U. 2002, Brinkmann,S. 2001, Fröhlich-Gildhoff,K. 2003,Golz,N.et al. 1990, Lang,W.1992, Weber,A. 2000).

 Auf körperlicher Ebene finden sich vor allem positive Effekte hinsichtlich der Herz-Kreislauf-Situation, einer deutlichen Steigerung der Hirndurchblutung, sowie einer Stärkung der Immunabwehr, Stärkung der Muskulatur. Dadurch wird häufig orthopädischen Beschwerden, und Osteoporose vorgebeugt; zudem erfolgt zumeist eine Gewichtsreduktion, sowie eine Verringerung körperlicher Allgemeinbeschwerden.

Im seelischen Bereich reduzieren sich durch regelmäßige körperliche Aktivitäten die Stressbelastungen, die Ängstlichkeit und die Depressivität, während das Selbstbewusstsein gestärkt wird und die Stimmung aufhellt. Gerade Menschen, die unter depressiven Erkrankungen leiden, fühlen sich seelisch oft wie erstarrt und unbeweglich und reduzieren unbewusst auch ihre körperliche Bewegung. Die seelische Erstarrung bildet sich so gewissermaßen auch körperlich ab. Regelmäßiger Sport - insbesondere auch als Gruppenerfahrung - lockert die körperliche „Erstarrung“ und unterstützt  die Wiedererlangung der seelischen Beweglichkeit und Schwingungsfähigkeit. Gemeinsame Sporterfahrungen fördern die soziale Integration. Dies erleben viele Menschen, die sich wegen Depressionen und Angsterkrankungen isoliert haben, als ausgesprochen unterstützend.

 Gerade bei Sportarten, wie dem Joggen oder dem Nordic Walking haben Menschen sehr schnell Trainingserfolge, die ihnen deutlich machen, dass sie selbst in der Lage sind, ihre Ausdauer zu erweitern und ihre körperliche Fitness zu verbessern. Dies kann den Patientinnen und Patienten Erfolgserlebnisse, sowie Selbstwirksamkeits- und Kontrollerfahrungen vermitteln, die ihnen im Rahmen der Depression oder der Angsterkrankung oft verloren gegangen sind oder deren Verlust Auslöser der Erkrankungen waren. Das Körperbewusstsein kann positiv beeinflusst werden in dem Sinne, dass der eigene Körper besser gespürt und subjektiv attraktiver erlebt wird. Dies trägt zur Steigerung des Selbstbewusstseins bei.

Besonders Frauen profitieren von dem regelmäßigen Sportprogramm, da viele seit der Pubertät allgemein mit ihrem Körper und mit ihrem Körpergefühl unzufrieden sind und diesbezüglich wenig positive Einflussmöglichkeiten im Sinne von Selbstwirksamkeit erleben. Besonders über das Laufen können Frauen relativ schnell Fortschritte und damit Selbstwirksamkeitseffekte mit eigenen Kontrollüberzeugungen erzielen

Das Behandlungsprogramm

In der Abteilung Psychosomatik/Psychotherapie der Wicker-Klinik Bad Wildungen wird gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten ein individuelles Therapieprogramm entsprechend den Erkrankungen und Beschwerden, die zur Rehabilitation führen, zusammengestellt. Dies umfasst regelmäßige Psychotherapie in Form von Einzel- und Gruppengesprächen je nach Indikation, kreativtherapeutische Angebote wie Tanz-, Kunst- und Werktherapie, Entspannungsverfahren, Physiotherapie und physikalische Anwendungen, Gesundheitsvorträge und –seminare, sowie das Sportprogramm.

 Im Sportbereich können die Patientinnen und Patienten zwischen Joggen, Nordic Walking, Schwimmen, Aquajoggen, Ergometertraining, Sequenztraining, Fitness, Gymnastik und Mannschaftsspielen auswählen. Besonders zu Beginn der körperlichen Aktivierung wird durch geschultes Personal darauf geachtet, dass sich die Patientinnen und Patienten nicht überfordern, um den „Wohlfühlbereich“ nicht zu verlassen und so den Spaß am Sport zu wecken oder zu erhalten. Als Faustregel gilt, dass am Ende des Trainings noch Kräfte und Energien da sein sollten, damit die Lust auf den nächsten Sporttermin erhalten bleibt.

Die meisten der Patientinnen und Patienten der Abteilung Psychosomatik/Psychotherapie der Wicker-Klinik bewerten am Ende der stationären Rehabilitation ihre Erfahrungen mit dem Sportprogramm als Unterstützung der psychotherapeutischen Behandlung überaus positiv und sind motiviert auch im häuslichen Alltag ein regelmäßiges Bewegungsangebot weiterzuführen.

Kontakt:

Wicker-Klinik
Fürst-Friedrich-Str. 2-4
34537 Bad Wildungen

Tel. 0 56 21 / 7 92-2 37

E-Mail: Psychosomatik@Wicker-Klinik.de

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